Keine Verkehrswende …

… für Georgsmarienhütte bewirkt sicherlich der Antrag, Bänke aufzustellen und der Antrag, die Querung der Straße vor dem Familienzentrum Maries Hütte bzw. der Musikschule für Kinder sicherer zu machen. Kleinteilig, lokal, provinziell? Oder beispielhaft für die Berücksichtigung der Belange der sog. „schwächsten Verkehrsteilnehmer“ wie Kinder und RollatornutzerInnen in einer Stadt? Die Verkehrswende beginnt auch in den Köpfen der PlanerInnen und PolitikerInnen, indem sie das Auto nicht länger zum Fixpunkt aller Planungen und Maßnahmen machen.

Maries Hütte / Musikschule an der Werner-von-Siemens-Str. z. Zt. mit Tempo 50 und ohne Querungshilfe

Alt: Aktueller Rekord

Ganz Deutschland diskutiert über die Verkehrswende. Ganz Deutschland? Nein – im Norden in den Bergen des Teutoburger Waldes gibt es ein Städtchen namens Georgsmarienhütte, das standhaft seit 50 Jahren die Interessen der VerkehrsteilnehmerInnen, die keine 4 Räder nebst Motor haben, ignoriert und einige Rekorde bundesweit souverän verteidigt:

  • 2.000 kostenlose Parkplätze allein im Zentrum. Das sind fast 2 öffentlich zugängliche Parkplätze pro Haushalt.
  • Nirgendwo Schutzzonen o. ä. für RadfahrerInen an Kreuzungen
  • Radwege enden im Nichts und/oder vor besonderen Gefahrenstellen
  • Konsequent KEINE Vorrangschaltungen für die Unmotorisierten
  • Höchste Schilderdichte „Gehwegschäden“

Der erstaunlichste Rekord – jüngst noch einmal gemessen – ist wohl nicht mehr zu toppen: An der Fußgängerampel zur Querung der B 51 in Oesede beträgt die Spitzenwartezeit für Fußgänger 145 Sekunden (2 Minuten 25 Sekunden), sicherheitshalber noch einmal am 12.6.2020 nachgemessen (2 Minuten 20 Sekunden).

Krass

Seit unserer Gründung berichten wir regelmäßig über den desolaten Zustand der Verkehrswege von fußbewegten und radfahrenden Menschen. Immer wieder gilt es neues schlechtes Altes zu entdecken – positiv formuliert: Bewußt zu machen. Hier weitere aktuelle Beispiele:

Schilder statt Handeln

Das häufigste Schild in GMHütte zumindest für Fußgänger und Radfahrer dürfte „Gehwegschäden“ sein. Rekordverdächtig ist die Wellendorfer Str. zwischen Oesede und Dröper: 10 Schilder auf ca. 500 m. Wir berichteten schon: hier und dort. Der öffentliche Raum für den nicht-motorisierten Verkehr genießt in GMHütte kaum Aufmerksamkeit noch Wertschätzung.

Parken, Ampeln, Radfahren und SUVs

Nicht nur in Berlin müssen die Fußgänger an Ampeln rennen und vorher lange warten. Ein kleiner Lichtblick ist das BGH-Urteil zu Falschparkern – allerdings hilft das Urteils nicht bei zugeparkten Rad- und Fußwegen. Nicht zu fassen: 2019 wurden erstmals mehr als 1.000.000 SUVs in Deutschland verkauft – 30% aller Zulassungen. Das Tech-Magazin Wire bemerkt dazu: Wenn alle SUVs eine Nation wären, läge diese bei den CO2-Emissionen an siebter Stelle.

Zum Schluß die gute Nachricht: Es wird mehr Rad gefahren.

Links gehen. Rechts sehen.

Nein, das ist kein politischer Slogan. Ältere Menschen haben gelernt: Bewege ich mich auf Straßen ohne Fußweg, nutze ich die linke Seite entgegen der Fahrtrichtung, damit ich entgegen kommende Fahrzeuge besser sehe und die von hinten kommenden nicht in meinem Bereich fahren. Es lohnt sich, an diese „Regel“ zu erinnern, da zahlreiche Nebenstraßen und Wirtschaftswege keine Fußwege aufweisen und zudem schnell befahren werden dürfen, da sie meistens außerhalb geschlossener Ortschaften liegen. Gilt für Fußgänger, Läufer, Kinderwagenschieber, Wanderer usw.

Skurril. Absurd.

Am Kreisel zwischen Holzhausen und Sutthausen sind in 2019 an jeder Querung Halteschilder für Fussgänger und Radfahrer aufgestellt worden. Der Blickpunkt berichtete am 14.11.19, dies sei aus „Sicherheitsgründen und Eigenschutz“ für Radfahrer und Fußgänger erfolgt, da die Fahrzeuge hier mit hohen Geschwindigkeiten ankommen würden. Wir meinen, dass es doch der Witz von Kreiseln ist, dass diese die Geschwindigkeiten reduzieren (sollen) und zudem nur langsam befahren werden können. Hier geht es wohl um etwas anderes, nämlich die Beschleunigung des PKW-Verkehrs, damit dieser nicht auf Fußgänger/Radfahrer warten und Rücksicht nehmen muß. Dafür können dann die langsamen Verkehrsteilnehmer bis zu 3x warten, ehe sie den Kreisel passiert haben. Verkehrswende rückwärts.

Kreisverkehr Vorfahrt gewähren