Ein System für Stadt und Land

Überfällig ist es seit langem, gefordert wird es seid Jahrzehnten: Die Region, also Stadt und Landkreis Osnabrück, braucht ein gemeinsames und einheitliches ÖPNV-System mit Tarifzonen, einem gemeinsam Fahrpreissystem, einem Ticket für Bus und Bahn, aufeinander abgestimmten Fahrplänen, Apps, die in Stadt und Land funktionieren, einheitlichen Automaten, einem Umweltabo für Stadt und Land usw. usw. – wir haben seit unserer Gründung zigmal darüber berichtet, geschrieben Vorschläge gemacht usw. usw. Kommt jetzt endlich Bewegung in die Sache? Die Grünen in der Stadt Osnabrück fordern in ihrem Wahlprogramm zur Kommunalwahl im September 2021 ab S. 17 den „ÖPNV in der Region zu stärken“. In der NOZ vom 5.6.21 wird berichtet, dass „sich die Grünen für eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft mit dem Landkreis“ einsetzen. Dazu hat ein Experte und Unterstützer des VfM im April 2021 eine Bestandsaufnahme mit den entsprechenden Forderungen erarbeitet: hier

Lese- und Infostoff

Der VFM hat eine Bestandsaufnahme gemacht: Vom November 2019 bis Oktober 2020 haben wir 11 Anträge (kurze und lange) an die Stadt GMHütte zur Verbesserung der Situation der NIVs (Nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer) gestellt. Sechs mal gab es keine Reaktion, drei mal Ablehnungen, einer wurde umgesetzt (war aber auch schon seit den 90er Jahren wiederholt beantragt worden) und zu einem gab es einen Ortstermin im November 2019 (!). Der Überblick zu allen Anträgen hier.

Und ein neues Buch, das die Verkehrswende, die E-Mobilität und die Arbeitsplätze im Verkehrssektor analysiert und diskutiert:

Das Inhaltsverzeichnis zum Buch hier

Eine einzige Fahrkarte? Ein einziges Desaster!

Am 29.3.21 berichtet die NOZ, dass der Landkreis Osnabrück beschlossen habe, ab Sommer 2022 einen Bus-Schiene-Tarif einzuführen. Das solle den Tarif-Dschungel beenden und eine einheitliche Fahrkarte für Bus und Bahn ermöglichen. Damit würde eine uralte Forderung realisiert: Stellungnahme Nahverkehrsplan, Tipps und detailliert hier. Leider dokumentiert die Entscheidung des Landkreises nur die geradezu epochale Rückständigkeit des ÖPNV-Systems in der Region: Der Kunde muss sich weiterhin vor (!) Fahrtantritt entscheiden, ob „er ausschließlich den Bus oder die Bahn mit Buasanschluss nutzen möchte“ (NOZ). Das kostet nach Einführung pro Jahr bis zu 2,4 Mio € mehr. Als ÖPNV-Nutzer im Südkreis fragt man sich, worin besteht da die Verbesserung? Eine sog. Pluskarte – also Bus und/oder Bahn nutzen zu können – kann man jetzt auch schon kaufen und muss sich auch jetzt vorher entscheiden.

Es wird weiter gestümpert, es geht nicht voran, der ÖPNV bleibt in der Region ein ungeliebtes Kind! Was wir brauchen? Einen Verkehrsverbund („Vollverbund“). Einen einzigen Verkehrsträger. Einen öffentlichen ÖPNV-Anbieter im Landkreis analog der Stadtwerke in OS. Zonentarife.  Eine Umweltkarte. Jobticket. Und: Eine Verkehrspolitik, die dem ÖPNV mindestens das gleiche Gewicht wie dem MIV (Motorisierten Individualverkehr) gibt.

Von den oben genannten 2,4 Mio € Mehrkosten wären 1,6 Mio aus der Region zu finanzieren. Von letzteren entfielen etwa die Hälfte auf die Erweiterung des Tickets für die SchülerInnen (NOZ 5.3.21).

Neuanfang? ÖPNV in der Region braucht Veränderung

Am 10.12.20 berichtete die NOZ online über Fahrpreiserhöhungen im Busverkehr hier (Druckausgabe 29.12.20).  Am 29.12.20 mailte der VfM folgende Stellungnahme an die NOZ:
„Ab Jahresbeginn 2021 werden Ungleichbehandlung und Unterschied im ÖPNV zwischen Stadt und Land Osnabrück weiter zementiert und bestätigt. In der Stadt steigen die Fahrpreise nicht, im Landkreis werden die Busfahrten je nach Fahrschein um 10 bis 50 Cent teurer. In der Stadt wird auf eine Preiserhöhung verzichtet, um die Kunden zu binden und nicht abzuschrecken – so wird der Sprecher der Stadtwerke zitiert. Im Umkehrschluss bedeutet die Preiserhöhung für den Landkreis also eine Abschreckung der Kunden. Diese findet auch dadurch statt, dass es im Landkreis kein Mehrfahrten-Tickets gibt – in der Stadt wird sogar ein 12-Fahrten-Ticket neu eingeführt. In der Stadt kann mit Smartphone-App gebucht und der jeweils günstigste Preis bezahlt werden – davon können die Landkreis-Bewohner nur träumen. Mehr lesen

Mitmachen. Regional denken und handeln.

Der Rat der Stadt Osnabrück hat beschlossen, „die Emissionen des Verkehrs bis 2030 um 40 % und bis 2050 um 95 % zu verringern sowie den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren“ (Zitat von der Homepage der Stadt OS).  Dazu führt die Stadt eine Befragung der Osnabrücker (!!) BürgerInnen durch.    Bürgerbefragung zur Mobilität in Osnabrück .

Wie soll das o.g. Ziel erreicht werden, wenn zehntausende von Ein- und Auspendlern am Tag größtenteils per Auto in die Stadt kommen und diese bei der Verkehrsplanung und ÖPNV-Planung schlichtweg nicht gesehen werden? Wir sollten sicht- und hörbar werden – deshalb der Aufruf, an der Befragung teilzunehmen: hier.  Die Befragung läuft bis zum 29. November 2020; weitere Infos hier .

Das Netzwerk wird versuchen, an dem bei der Stadt OS eingerichteten Arbeitskreis teilzunehmen. Dazu unsere Osnabrücker Erklärung vom Sept. 2020 und der offene Brief  vom Juli 2020 an alle Kommunen in der Region.

PKW im ÖPNV

Im Oktober 2020: Autobahn auf dem Bahnsteig am Gleis 5 im HBF Osnabrück und die Mahnung zur Handy-Nutzung am Bahnhof Oesede (auch an einigen Bushaltestellen zu finden). Dann wird sicherlich bald auch die Werbung für den ÖPNV an den Autobahnen zu sehen sein.