Lesen in dunkler Jahreszeit

An Informationen und Erkenntnissen liegt es nicht, dass die Mobilitätswende bzw. Verkehrswende nicht so recht voran kommt. Hier eine Auswahl aktueller Schriften:

Grundsätzlich und ganz neu der Infrastrukturatlas der Böll-Stiftung, der den gesamten öffentlichen Raum mit Daseinsvorsorge und Gemeinwohl-Aufgaben beschreibt. Klasse ist die knappe Einführung in das Thema Infrastruktur samt seiner Geschichte und die Darstellung aller Bereiche einschl. Verkehr. Ganz besonders gelungen ist die Verbindung sozialer Belange und ökologischer Notwendigkeiten: hier

Soeben veröffentlicht von Agora „Baustellen der Mobiltätswende“ mit einer umfassenden Beschreibung der aktuellen Fortbewegungsformen – der PKW-Verkehr und -Anteil nimmt unentwegt zu; ein klein wenig optimistisch stimmt, dass bei jungen Leuten das eigene Auto als Notwendigkeit und Status-Symbol massiv an Bedeutung verliert: hier

Grundsätzlich und ökonomisch orientiert ist „Bahn Frei!“ von der Rosa-Luxmeburg-Stfitung vom Frühjahr 2020 mit Informationen, die in der aktuellen Berichterstattung keine große Rolle spielen: So arbeiten in der vielzitierten und einflußreichen Autoindustrie mehr als 800.000 Menschen, in Gesundheitswesen, Erziehung und Unterricht hingegen 3,8 Mio Menschen. Zur Autoindustrie gibt es einen Umbauvorschlag, der wegführt vom Mantra „Autos sichern Arbeitsplätze und deshalb brauchen wir Straßen, Straßen …“: hier

Schon 2018 ist erschienen „Weniger Autos, mehr globale Gerichtigkeit“ – gefördert u.a. von Brot für die Welt und Misereor. Eindrücklich und detailliert wird belegt, welche katastrophalen Folgen unser Verkehrssystem und -verhalten für den Großteil der Weltbevölkerung und das Klima hat. Interessant ein Bild auf S. 16: 2015 bis 2017 gab es 325 Lobbyistentreffen der Autoindustrie mit der Bundesregierung. In der gleichen Zeit 49 Treffen der Bundesregierung mit Verbraucher- und Umweltverbänden. hier

Die Gewerkschaften haben ein Problem: Verdi und Eisenbahnergewerkschaft setzen sich für die Verkehrswende ein, die IG-Metall unterstützt den Straßen- und Autobahnbau wie jüngst den weiteren Bau der A 33. Das sieht man dem Papier des DGB-Niedersachsen zur Mobilitätswende an: Da wird die  Verbesserung des ÖPN gefordert und der Radverkehr beschworen und zugleich mit der Forderung nach Klima- und Abwrackprämien für Autos das alte Lied des motorisierten Individualverkehrs beschworen: hier

Eine Fülle an Infos zur weltweiten Mobilität über Güter in Bewegung, Stadtverkehr, Luft- und Raumfahrt und Reisen bietet „Raserei und Stillstand“ herausgegeben von der TAZ und für 9,50 € hier oder im Buchhandell erhältlich. Sehr lesenswert!

 

Mitmachen. Regional denken und handeln.

Der Rat der Stadt Osnabrück hat beschlossen, „die Emissionen des Verkehrs bis 2030 um 40 % und bis 2050 um 95 % zu verringern sowie den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren“ (Zitat von der Homepage der Stadt OS).  Dazu führt die Stadt eine Befragung der Osnabrücker (!!) BürgerInnen durch.    Bürgerbefragung zur Mobilität in Osnabrück .

Wie soll das o.g. Ziel erreicht werden, wenn zehntausende von Ein- und Auspendlern am Tag größtenteils per Auto in die Stadt kommen und diese bei der Verkehrsplanung und ÖPNV-Planung schlichtweg nicht gesehen werden? Wir sollten sicht- und hörbar werden – deshalb der Aufruf, an der Befragung teilzunehmen: hier.  Die Befragung läuft bis zum 29. November 2020; weitere Infos hier .

Das Netzwerk wird versuchen, an dem bei der Stadt OS eingerichteten Arbeitskreis teilzunehmen. Dazu unsere Osnabrücker Erklärung vom Sept. 2020 und der offene Brief  vom Juli 2020 an alle Kommunen in der Region.

Zwischenbilanz nach 14 Monaten

Coronabedingt wurde die VfM-Mitgliederversammlung immer wieder verschoben und fand schließlich Anfang November elektronisch und online statt. Der Bericht über die bisherigen Arbeit macht deutlich, dass der VfM etwa alle 6 Wochen einen Antrag, ein Konzept oder detaillierte Vorschläge zu Verkehrsproblemen insbesondere in Georgsmarienhütte vorgelegt hat. Diese wurde seitens der Stadtverwaltung und/oder der Stadtratsfraktionen bis auf eine Ausnahme ignoriert/abgelehnt/verschoben, was im o.g. Bericht detailliert beschrieben und belegt wird. Zudem haben wir eine Stellungnahme zum Nahverkehrsplan 2019 abgegeben, das Regionetzwerk mitgegründet, im Fahrgastbeirat des ÖPNV in der Region mitgearbeitet, die Kampagne zur Schließung des Flughafens Osnabrück-Münster und nicht zuletzt Verdi beim Kampf für einen einheitlichen Tarifvertrag im ÖPNV unterstützt.

Die Erfolge sind überschaubar; Unterstützung kann jedermann/frau vom Sofa aus geben: Beantragen Sie z. B. beim „Ideen- und Beschwerdemanagement“ der Stadt GMH Maßnahmen u.ä., die Sie z.B. aus unseren Anträgen auswählen (E-Mail: ideen@georgsmarienhuette.de   I  Fon: 05401-850-119).

Steuergelder ohne Ende für den FMO?

Seit Jahrzehnten wird der Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) mit Steuergeldern auch der BürgerInnen der Stadt und des Landkreises Osnabrück finanziert. Die Stadt OS hat einen Anteil von 17% und der LK OS einen Anteil von 5% am FMO. Die weiteren Anteilseigner: Stadt Münster – 35%  /  Kreis Steinfurt – 30%  /  Stadt Greven – 6% sowie 5 weitere Landkreise mit jeweils kleinen Beteiligungen. Insgesamt tragen die Kommunen knapp 98% der Anteile und damit auch 98% der riesigen Verluste.

Allein zum Flughafenbus ab HBF Osnabrück, in dem 2018 im Schnitt 1,2 Personen saßen, steuert die Stadt Osnabrück jährlich 100.000 € zum jährlichen Flughafenbus-Defizit von 285.000 € bei (siehe NOZ, 21.2.2019. Das hat für 2019 einen kommunalen Zuschuß von 19,84 € pro Fahrgast im Bus bedeutet.

Eine Initiative verschiedener Gruppen will dem Desaster ein Ende bereiten und fordert den verantwortungsvollen und sozialverträglichen Ausstieg jetzt. Die Mitglieder des VfM unterstützen einstimmig das Vorhaben und die Erklärung.

Am HBF OS im Oktober 2020 – Der Zustand der Anzeige – ein Omen?

Verkehrswende im Zentrum?

Georgsmarienhütte rühmt sich seiner Parkplätze und der Erreichbarkeit aller Läden per Auto. Gibt es ein Umdenken – auch die anderen Verkehrsgruppen in den Blick zu nehmen? Zumindest lädt die City-Gemeinschaft ein zweites Mal in diesem Jahr die Verwaltungs- und Fraktionsspitzen und auch den VfM zu einem Gespräch, wie es in der „City“ weitergehen soll.

Zum Gespräch Ende Oktober hat der VfM ein detailliertes Konzept vorgelegt, das als Grundgedanke die Gleichberechtigung aller VerkehrsteilnehmerInnen hat. Man darf gespannt sein.

Ruhebänke. Schwierig. Das erfordert einen Plan.

Am 15. Juni 2020 hat der VfM auf Anregung einiger älterer Menschen aus dem Zentrum von GMHütte bei der Stadt einen Antrag auf Aufstellung von Ruhebänken gestellt. Das ist weder Klima- noch Verkehrswende, das schränkt keine Verkehrsflächen für den Autoverkehr ein, das provoziert niemanden, das scheint einfach zu lösen zu sein und wenig zu kosten. Einfach etwas für ältere Menschen tun, die sich gern in der Stadt bewegen wollen und sich zwischendurch ausruhen müssen.

Am 15. September – also 3 (drei) Monate später haben wir eine telefonische Antwort erhalten: Da es in der Verwaltung unterschiedliche Zuständigkeiten für Bänke einmal im Zentrum (Bauabteilung) und einmal außerhalb (Kulturabteilung) gibt, geht das nicht so schnell. Jetzt soll erst einmal ein Plan für den gesamten Bereich (eine Art Ruhebänke-Generalplan – unsere Formulierung) erstellt werden. Wir nennen es eine Verschiebung auf den St. Nimmerslein-Tag.

Verkehr in der Region

Im Januar 2020 wurde unter Beteiligung des VfM das Netzwerk Nachhaltige Mobilität gegründet. Treffen des gesamten Netzwerks und Veranstaltungen verhinderte Corona. Glücklicherweise wurde beim letzten Treffen eine Kooperationsgruppe gewählt, die sich seit Ende des Lockdowns alle 3 bis 4 Wochen trifft und am 28.7.20 einen offenen Brief an alle BürgermeisterInnen und Landräte/innen in der Verkehrsregion Osnabrück versandt hat. Und ein Logo hat das Netzwerk inzwischen auch:

In eigener Sache

Der VfM besteht 10 Monate. Eine nüchterne Bestandausnahme – zum 1-jährigen wird diese umfassender und detaillierter aussehen – ergibt, dass wir (nur) vorangekommen sind mit der Netzwerkbildung in der Region. Aktuell dazu der erste Rundbrief des Netzwerks. Zur Verkehrswende selbst sind keine Erfolge zu vermelden – unsere Homepage dokumentiert den deprimierenden Status quo kontinuierlich.

Kontinuierlich – auch seit Coronabeginn – haben wir für GMHütte konkrete Vorschläge gemacht und Anregungen gegeben:

Tempo 30 vor der Musikschule (19.6.20, bislang keine Antwort) – Errichtung von Bänken für Rollator-Nutzerinnen im Zentrum an den wichtigstens Wegstrecken (15.6.20, bislang keine Antwort) – Schaffung verkehrsberuhigter Zonen in ganz GMHütte in den baulich dafür geeigneten Wohngebieten (24.5.20 – Einstimmig vom Verkehrsausschuss abgelehnt) – Antrag auf Parkraumüberwachung (5.3.20 – abgelehnt am 16.3.20) – Weitere fünf konkrete Vorschläge: Einer ist seit Nov. 2019 in Bearbeitung, zwei abgelehnt, einer (Haltestellenpflege) ignoriert, einer – von vielen anderen unterstützt und seit sage und schreibe 25 Jahre beantragt- realisiert: Bild unten – nachher und vorher.