Und ewig grüßt das Murmeltier

Pünktlich zum 1.1.2022 erhöht die „Verkehrsgemeinschaft Osnabrück“ (VGO) die Preise im Nahverkehr. Ganz so gemeinschaftlich geht es aber dabei nicht zu: Rund um Osnabrück werden die Fahrpreise erhöht – in Osnabrück nicht. Das war zum 1.1.2021 genau so. Die NOZ zitierte am 5.1.2021 aus unserer damaligen Stellungnahme: Das „zementiert die gewaltigen Qualitätsunterschiede …. und damit auch die Ungleichbehandlung von Bürgern in Stadt und Land“ (Info). Nun also wieder und wieder …..? Eine Fahrt mit dem Bus von Oesede nach Osnabrück-HBF (ca. 9 km) kostet 3,90 €, die Tageskarte ist mit 7,10 € fast schon ein Schnäppchen. Genau soviel kostet eine Fahrt von Bad Iburg nach Georgsmarienhütte (ca. 6 km). Zum Ausgleich kann man dafür in Georgsmarienhütte kostenlos parken – solange man will. In Osnabrück immerhin 4 bis 5 Std. – es gibt also keinen Grund mit dem Bus zu fahren.

Eine Fahrt mit dem Zug von Oesede nach Osnabrück-HBF kostet 4,20 €, die Tageskarte 7,70 €. Obacht! Das Ticket für den Zug gilt nicht im Bus und das im Bus nicht für den Zug! Bei der Wahl einer Tageskarte muss man sich also bei der Hinfahrt schon festlegen, ob mit Bus oder Bahn zurückgefahren wird. Wenn das nicht möglich ist – zwei Einzelfahrschein sind unvermeidbar. Tipp: Die Zugfahrt bis Osnabrück -Altstadt kostet „nur“ 3,70 € – mit Bahncard 50 nur 1,85 €.

Übrigens: Zur Mitte des Jahres soll es ein einheitliches Ticket für Bus und Bahn geben – mit der Notwendigkeit, sich beim Fahrtantritt festzulegen, ob man den Verkehrsträger wechseln wird. Absurd! Siehe dazu hier

Was ist das?

Eine Busschleuse! Mit einfachen Mitteln erstellt – anwendbar z. B. vor Schulen: Busse, Feuerwehr, Müllfahrzeuge können passieren. PKWs, Elterntaxis u.ä. wird die Durchfahrt unmöglich gemacht. Gesehen und fotografiert in Oer-Erkenschwick im November 2021.

„Schwarz“fahren. Doppelmoral. Tolle Initiative!

Der Anfang Dezember 2021 gegründete Freiheitsfonds sammelt Geld und kauft Menschen aus dem Knast frei, die dort wegen „Schwarz“fahrens (der rassistische Unterton ist mir bewußt) sitzen – die Ärmsten im Land. Auf der Homepage des Freiheitsfonds wird der Sachverhalt folgendermaßen beschrieben (Zitat):

„Fahren ohne Fahrschein ist in Deutschland eine Straftat. Tausende Menschen landen jedes Jahr im Gefängnis, weil sie sich kein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr leisten konnten. Bis zu ein Jahr sitzen die Leute in Haft.

Betroffen sind überwiegend arbeitslose Menschen (87%), Menschen ohne festen Wohnsitz (15%) und mit Suizidgefährdung (15%).

Der Straftatbestand wurde 1935 von den Nazis eingeführt. Bis heute werden dadurch Menschen fürs Fahren ohne Fahrschein häufig härter bestraft als z.B. Menschen, die angetrunken Auto fahren. Denn dies wird meist nur als Ordnungswidrigkeit geahndet.“ (Zitatende)

Spenden unter dem Stichwort Freiheitsfonds an DE02430609672005332901 . Bis zum 8.12.2021 wurden 58 Personen freigekauft.

In der Süddeutschen Zeitung vom 18.1.2022 schreibt Ronen Steinke auf der Seite 4, dass jedes Jahr 7.000 Menschen in Deutschland wegen „Schwarzfahrens“ ins Gefängnis kommen.

Ein System für Stadt und Land

Überfällig ist es seit langem, gefordert wird es seid Jahrzehnten: Die Region, also Stadt und Landkreis Osnabrück, braucht ein gemeinsames und einheitliches ÖPNV-System mit Tarifzonen, einem gemeinsam Fahrpreissystem, einem Ticket für Bus und Bahn, aufeinander abgestimmten Fahrplänen, Apps, die in Stadt und Land funktionieren, einheitlichen Automaten, einem Umweltabo für Stadt und Land usw. usw. – wir haben seit unserer Gründung zigmal darüber berichtet, geschrieben Vorschläge gemacht usw. usw. Kommt jetzt endlich Bewegung in die Sache? Die Grünen in der Stadt Osnabrück fordern in ihrem Wahlprogramm zur Kommunalwahl im September 2021 ab S. 17 den „ÖPNV in der Region zu stärken“. In der NOZ vom 5.6.21 wird berichtet, dass „sich die Grünen für eine gemeinsame Verkehrsgesellschaft mit dem Landkreis“ einsetzen. Dazu hat ein Experte und Unterstützer des VfM im April 2021 eine Bestandsaufnahme mit den entsprechenden Forderungen erarbeitet: hier

Stimmt nicht …

dass es am HBF OS für alle Nahverkehrszüge Tickets gibt – vom HBF nach GMHütte bei den Automaten (blau) der Westfalenbahn z. B. nicht. Am DB-Automaten (rot) kommt nach einigen Klicks der Hinweis „Verkauf nur am Abfahrtsbahnhof“ (Bild rechts) – dann ist Schluß und es gibt kein Ticket. Da weder Aufkleber noch Automaten lügen können, bleibt dem Mensch (gern als Kunde/in bezeichnet) nur Resignation und die Hoffnung auf einen Automaten im Zug. Zu den Fahrkarten-Automaten, die keine Fahrkarten liefern, passt der Tarifdschungel , in dem tief verborgen der kreative und geduldige Kunde auch eine Fahrkarte finden kann: hier

Luxemburg und die Region Osnabrück: (un)vergleichbar

Einwohnerzahl: Luxemburg 614.00 Einw., Region Osnabrück inkl. Lotte/Westerkappeln 555.000 €inw. – Fläche Luxemburg 2.586 qkm, Region OS 2.366 qkm. Gemeinsam auch, dass in den 60/70er Jahren die Straßenbahn abgeschafft worden ist. Im ÖPNV ist es in Luxembrug weitergegangen: 2017 wurde eine neue Tram eröffnet und ab 1.3.2020 ist der gesamte ÖPNV in Luxemburg kostenlos für alle. Infos hier.

Informativ und argumentativ zum kostenlosen ÖPNV der VCD in Baden-Württemberg: hier. Überhaupt eine umfangreiche und materialreiche Homepage zu allem, was den nichtmotorisierten Verkehr betrifft: VCD-BW.

Haltestellen …

… erfordern Pflege und Unterhaltung, denn sie sind quasi die Tür zum ÖPNV. Wir haben schon oft darüber berichtet und wie auch berichtet der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Osnabrück (VLO) und der Stadt GMHütte (am 17.1.20) einen detailierten Vorschlag zur Unterhaltung der Haltestellen übermittelt. Am 21.1.2020 berichtete die NOZ darüber. Am selben (!) Tag, also am 21.1.20, waren zumindest die zentralen Haltestellen Gildehaus und Oesede-Haller Willem von der Stadt gereinigt worden. Ein Erfolg? Oder der Beleg dafür, dass nur bei öffentlichem Aufsehen getan wird, was eigentlich getan werden muss?