Umverteilung?

Autospuren zu Radspuren – Corona hat es in einigen deutschen und europäischen Grossstädten bewirkt – zumindest ein wenig. Über die Initiative in Osnabrück haben wir berichtet. Die NOZ berichtete am 15.6.20 auf der Stadtseite – zuvor online mit Kommentar. Ausführlich einschl. Nennung der Unterstützergruppen Osnabrück alternativ und Hasepost.

In der Provinz sind wir davon weit entfernt – da wäre so etwas wie ein Minimalschutz z. B. an Kreuzungen schon ein Erfolg.

Alt: Aktueller Rekord

Ganz Deutschland diskutiert über die Verkehrswende. Ganz Deutschland? Nein – im Norden in den Bergen des Teutoburger Waldes gibt es ein Städtchen namens Georgsmarienhütte, das standhaft seit 50 Jahren die Interessen der VerkehrsteilnehmerInnen, die keine 4 Räder nebst Motor haben, ignoriert und einige Rekorde bundesweit souverän verteidigt:

  • 2.000 kostenlose Parkplätze allein im Zentrum. Das sind fast 2 öffentlich zugängliche Parkplätze pro Haushalt.
  • Nirgendwo Schutzzonen o. ä. für RadfahrerInen an Kreuzungen
  • Radwege enden im Nichts und/oder vor besonderen Gefahrenstellen
  • Konsequent KEINE Vorrangschaltungen für die Unmotorisierten
  • Höchste Schilderdichte „Gehwegschäden“

Der erstaunlichste Rekord – jüngst noch einmal gemessen – ist wohl nicht mehr zu toppen: An der Fußgängerampel zur Querung der B 51 in Oesede beträgt die Spitzenwartezeit für Fußgänger 145 Sekunden (2 Minuten 25 Sekunden), sicherheitshalber noch einmal am 12.6.2020 nachgemessen (2 Minuten 20 Sekunden).

Krass

Seit unserer Gründung berichten wir regelmäßig über den desolaten Zustand der Verkehrswege von fußbewegten und radfahrenden Menschen. Immer wieder gilt es neues schlechtes Altes zu entdecken – positiv formuliert: Bewußt zu machen. Hier weitere aktuelle Beispiele:

Pop-up-Bike-Lanes?

Auf Halbdeutsch: Pop-up-Radwege – kurzfristig eingerichetete Radwege, die neu, zusätzlich und zu Lasten der PKW-Spuren in einigen Städten – Corona macht es möglich – geschaffen wurden. Mehr Platz und mehr Sicherheit für Radfahrer/innen. Im März haben wir schon einmal berichtet. Berliner Bezirke starteten, auch in München wird darüber entschieden. Man darf gespannt sein, ob diese oder ähnliche Lösungen hier in der Region zur Kenntnis genommen werden.

Hier herrscht Tristesse: In GMHütte gibt es im Zweifelsfall gar keine Radwege: Beispiel die belebteste Kreuzung im Zentrum der Stadt: Kein Schutz, keine Markierung, keine Ampelschaltung, keine Hinweise …..

Stimmt nicht …

dass es am HBF OS für alle Nahverkehrszüge Tickets gibt – vom HBF nach GMHütte bei den Automaten (blau) der Westfalenbahn z. B. nicht. Am DB-Automaten (rot) kommt nach einigen Klicks der Hinweis „Verkauf nur am Abfahrtsbahnhof“ (Bild rechts) – dann ist Schluß und es gibt kein Ticket. Da weder Aufkleber noch Automaten lügen können, bleibt dem Mensch (gern als Kunde/in bezeichnet) nur Resignation und die Hoffnung auf einen Automaten im Zug. Zu den Fahrkarten-Automaten, die keine Fahrkarten liefern, passt der Tarifdschungel , in dem tief verborgen der kreative und geduldige Kunde auch eine Fahrkarte finden kann: hier

Geht doch: Corona schafft Abstand in Berlin

„Friedrichshain-Kreuzberg hat auch während der Corona-Pandemie die Verkehrswende im Blick. An zwei Stellen im Bezirk wurde am Mittwoch temporär die Radinfrastruktur erweitert. In der Zossener Straße steht Zweiradfahrern vor der Kreuzung Gitschiner Straße eine vergrößerte Aufstellfläche zur Verfügung. Außerdem wurde am Halleschen Ufer eine gesonderte Fahrradspur vom U-Bahnhof Hallesches Tor bis zur Bezirksgrenze in Höhe des Technikmuseums abgeteilt. 

Damit folgt der Bezirk Vorbildern wie der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Im Zuge der Corona-Pandemie hat diese auf knapp 120 Kilometern des Hauptstraßennetzes je eine Spur exklusiv für Fahrradfahrer abgeteilt.

… Vorrangiges Ziel sei es, »die aktuell vermehrt stattfindende Nutzung des Fahrrades unter besserer Wahrung der Sicherheitsabstände gemäß der Covid-19-Eindämmungsverordnung zu ermöglichen«, heißt es in einer Mitteilung. Die auf die Pandemie befristete Maßnahme sei vergleichbar mit der Einrichtung temporärer Busspuren bei Schienenersatzverkehr“.
(Quelle: Neues Deutschland, 27.3.2020)

(Foto aus dem Neuen Deutschland, 27.3.2020)