Verkehrswende im Zentrum?

Georgsmarienhütte rühmt sich seiner Parkplätze und der Erreichbarkeit aller Läden per Auto. Gibt es ein Umdenken – auch die anderen Verkehrsgruppen in den Blick zu nehmen? Zumindest lädt die City-Gemeinschaft ein zweites Mal in diesem Jahr die Verwaltungs- und Fraktionsspitzen und auch den VfM zu einem Gespräch, wie es in der „City“ weitergehen soll.

Zum Gespräch Ende Oktober hat der VfM ein detailliertes Konzept vorgelegt, das als Grundgedanke die Gleichberechtigung aller VerkehrsteilnehmerInnen hat. Man darf gespannt sein.

Verkehrswende in weiter Ferne

Die aktuellen Zahlen vom Bundesamt für Statistik zeigen eine Steigerung der KfZ-Dichte um 12% von 2009 bis 2019: 509 auf 569 PKW pro 1.000 Einwohner. Niedersachsen liegt mit 596 PKW über dem Bundesschnitt. Über dem Landesschnitt wiederum liegen der LK Osnabrück mit 632 und die stadt GMHütte mit 659 PKW pro 1.000 Einwohner. Für die Stadt Osnabrück liegt die Zahl bei 506 – der niedrigste Wert aller kreisfreien Städte in Niedersachsen.

Im ÖPNV nahm die Zahl der Fahrgäste im o.g. Zeitraum nur um 8% zu. Von einer Verkehrswende sind wir weit entfernt – das zeigt auch geradezu zwanghafte Fixierung aufs Parken in Osnabrück z. B. an der Möserstraße (Bild rechts und links) – eine derartige, gut sichtbare Beschilderung zu Bushaltestellen gibt es nicht. Und eine Kleinanzeige aus der Süddeutschen Zeitung vom 10.10.2020 – ohne Kommentar.

Klatschen macht nicht satt

Corona-Klatschen – leicht getan; Interessenvertretung mit Hilfe von Warnstreiks – da finden viele Klatschen bequemer.

VfM und Regionetzwerk unterstützen die BusfahrerInnen beim Warnstreik. In Osnabrück sind dies (nur) die von Osna-Bus, einer Tochter der Stadtwerke. Sie streiken für einen einheitlichen, bundesweiten Tarifvertrag.

Die FahrerInnen der Stadtwerke haben einen anderen Tarifvertrag über die Stadtwerke, die von Weser-Ems-Bus einen Tarifvertrag im Rahmen der Deutschen Bahn.

Aktuelle Info zum Warnstreik hier und hier. Lesenswert der Kommentar in der Süddeutschen Zeitung – besser können wir es nicht formulieren: SZ 

VfM + Regio-Netzwerk
29.9.20 HBF-OS

Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal für den ÖPNV

Der Autoverkehr muss drastisch verringert werden – sonst gibt es keine Verkehrswende. Dafür brauchen wir mehr und besseren öffentlichen Nahverkehr, und dieser braucht ausreichend viele, gesunde und zufriedene Beschäftigte.

In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen im ÖPNV durch einen permamenten Sparkurs massiv verschlechtert. Arbeitsverdichtung und -belastung, Krankheit und Personalmangel sind die Folgen. Deshalb kämpfen die Beschäftigten für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Die Arbeitgeber finden starke Worte zu den Interessen der ÖPNV-Beschäftigten: Erklärung der Arbeitgeber

Verdi (Bezirk Weser-Ems, Fachbereich Verkehr) sagt dazu:

„Die Arbeitgeber werfen uns vor: – wir schädigen die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen  – die Bürger*innen leiden  – Angeblich würden wir in Bund und Land dieselben Themen verhandeln wollen

Sie unterstellen den „Held*innen“ der Corona-Krise einen „Anschlag auf die Allgemeinheit“. Sind wir Terroristen? Starkes Stück.

Und: Wir sollen mit „Diesem Machtkampf“ das Vertrauen in den ÖPNV als „wichtigen Pfeiler für mehr Klimaschutz“ nicht beschädigen. Wie wollen sie mehr Klimaschutz durch ÖPNV ohne Ausbau und besseren Arbeitsbedingungen schaffen?“

Klimafreundliche Mobilität heißt, den Autoverkehr drastisch zu verringern. Um trotzdem mobil zu sein, brauchen wir mehr und besseren öffentlichen Nahverkehr, und dieser braucht ausreichend viele und gesunde Beschäftigte. In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen im ÖPNV durch einen massiven Sparkurs aber immer mehr verschlechtert. Arbeitsverdichtung und -belastung, Krankheit und Personalmangel sind die Folgen. Deshalb kämpfen die Beschäftigten für eine Verbesserung ihrer Lage: In der Tarifrunde 2020 verhandelt die Gewerkschaft Ver.di bundesweit die Arbeitsbedingungen von 87.000 Bus- und Bahnfahrer*innen neu.

Da die Arbeitgeber bisher mauern, kommt es am Dienstag, 29. Sept. 20 zu Warnstreiks – auch in Osnabrück. Die Kolleg*innen von Osnabus, einer Tochter der Stadtwerke, freuen sich über Unterstützung. Besucht sie am Bahnhof von 10.00 – 15.00 h. Mehr Infos hier  und hier .

Stadtbahn für die Region

Die Stadtbahn-Initiative Osnabrück braucht noch ca. 1200 Unterschriften, um ihre Petition zum 31. 10. erfolgreich abschließen zu können. Dann nämlich würde „openPetition“ jedes einzelne Mitglied des Osnabrücker Stadtrates anschreiben und um eine Stellungnahme bitten. Dadurch bekommt die für Anfang November geplante Übergabe an den Oberbürgermeister der Stadt OS eine zusätzliche bedeutende Akzentsetzung.
Bitte – falls noch nicht geschehen – die Petition „Stadtbahn für Osnabrück – Machbarkeit untersuchen“ unterzeichnen: Link
Die Teilnahme ist nicht an ein Mindestalter gebunden und nicht an den Wohnort gebunden.
Gründe für eine Machbarkeitsstudie in Kürze:
  • Wir müssen die Klimaschutzziele erreichen.
  • Der Verkehr ist mit knapp einem Drittel am CO2-Ausstoß beteiligt.
  • Autofahrer lassen ihr Auto viel eher stehen, wenn eine Bahn statt eines Busses fährt.
  • Eine Bahn kann viel mehr Leute transportieren. Wir brauchen sie für die Hauptlinien.
  • Eine Bahn fährt komfortabler, sie schaukelt und kippelt nicht.

Ruhebänke. Schwierig. Das erfordert einen Plan.

Am 15. Juni 2020 hat der VfM auf Anregung einiger älterer Menschen aus dem Zentrum von GMHütte bei der Stadt einen Antrag auf Aufstellung von Ruhebänken gestellt. Das ist weder Klima- noch Verkehrswende, das schränkt keine Verkehrsflächen für den Autoverkehr ein, das provoziert niemanden, das scheint einfach zu lösen zu sein und wenig zu kosten. Einfach etwas für ältere Menschen tun, die sich gern in der Stadt bewegen wollen und sich zwischendurch ausruhen müssen.

Am 15. September – also 3 (drei) Monate später haben wir eine telefonische Antwort erhalten: Da es in der Verwaltung unterschiedliche Zuständigkeiten für Bänke einmal im Zentrum (Bauabteilung) und einmal außerhalb (Kulturabteilung) gibt, geht das nicht so schnell. Jetzt soll erst einmal ein Plan für den gesamten Bereich (eine Art Ruhebänke-Generalplan – unsere Formulierung) erstellt werden. Wir nennen es eine Verschiebung auf den St. Nimmerslein-Tag.

KlimaschützerInnen, Verkehrsinitiativen, Naturschutzverbände und Verdi gemeinsam

Am 4.9.20 hat ein breites Bündnis von Verdi, Fridays for Future, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Verkehrsclub Deutschland (VCD) und weiteren Organisationen von der Bundesregierung einen ÖPNV-Gipfel gefordert. Mehr Infos hier oder hier: Offener Brief an den Verkehrsminister, Pressemitteilung, Investitionsprogramm ÖPNV. Der VfM unterstützt die Kampagne bzw. das Bündnis – so haben unsere Mitglieder kurzfristig und einstimmig entschieden.

Auch in der Region ist am 7.9.20 eine gemeinsame Kampagne vom Regio-Netzwerk zusammen mit Verdi gestartet worden, um die Verkehrswende regional voran zu bringen. Aktuelle Infos zur Arbeit des Netzwerks im neuen Rundbrief hier. Und vormerken: Demotag am 25.9.20 von Fridays for Future: hier

Sicheres Radfahren. Wo gibt es denn sowas?

Der ADFC (Allgemeine Deutsche Fahrrad Club) hat soeben eine Umfrage zur Sicherheit des Radfahrens in den Kommunen (Städte, Gemeinden) gestartet – bitte daran teilnehmen und weitergeben, damit die Region, Georgsmarienhütte und Osnabrück würdig vertreten sind. Dauert 10 Minuten. Der Fragebogen findet sich hier

Die Umfrage läuft bis zum 30.11.2020 – anschließend werden wir über die Ergebnisse berichten.

Aktuell das Dossier vom ADFC „Mit dem Rad sicher zur Schule„: hier